about eurozentrik / about Eurozentrika

EUROZENTRIKA is a platform for realistic art and performing utopia and currently brought into shape by Nele Brönner, Mikala Hyldig Dal, Natascha Bohnert, Mascha Jacobs und Caroline Schubert.

ÜBER UNS: EUROZENTRIKA ist eine Plattform für realistische Kunst, für darstellende Utopie, für subjektive Forschung und interdisziplinäre Körperpolitik.

Eurozentrika ist ein Projekt des NYRT e.V.
http://www.nyrt.net/wordpress

MYTHOS EUROPA
Eines Tages verließ Europa mit ihren Gefährtinnen den Palast des Vaters, in dem sie Zerstreuung suchte. Denn sie hatte in dieser Nacht einen Alptraum gehabt, der sie immer noch und sehr bedrückte; und sie erzählte ihn ihren Freundinnen: Unser größter Kontinent Asien, in dem mein Vater ja sein Reich regiert, ist mir in der Gestalt einer formvollendeten und begehrenswerten Frau begegnet. Sie hielt ihre Arme über mich, um mich vor dem Zugriff einer anderen zu schützen, die einen anderen Erdteil verkörperte und mich mitreißen wollte [...] Asia sprach: Lass mir ja mein Kind, das ich zur Welt gebracht und aufgezogen habe – es ist meine geliebte Tochter. Aber der Fremden gelang es, mich ihr weg zu reißen, wobei sie mir ins Ohr flüsterte: Sei unbesorgt, Du Schöne. Trockne Deine Tränen. Ich trage Dich einer herrlichen Zukunft entgegen. (Nachdichtung nach Horaz' Europa)

EUROZENTRIKA
Europa hat einen Körper und es ist kein Zufall, dass dieser weiblichen Geschlechts ist; als Schlachtfeld zerstörerischer Träume und Testfeld verlockender Wahnvorstellungen hat Europa immer wieder als Muse gedient, als Fata Morgana die Eroberungsfantasien und Heimatphantasmen entfacht. Jetzt ist sie eingespannt im Korsett der Grenzziehungen, die die Silhouette ihres Körpers fest nachzeichnen; nach innen scheinbar aufgeweicht, nach außen
unnahbar wie nie; wie die keusche Ehefrau behütet sie ihre Reize und lässt dabei die Phantasien über dieselben noch verführerischer werden.
Der sexualisierte Gründungsmythos Europas, seine Geschichte von Begehren und unverstellter Körperlichkeit findet heute seine Fortsetzung an den Grenzen des Kontinents: hier werden Tag für Tag aufs Neue die Bedingungen für Auswahl und Aufnahme, für „Penetration“ und „Intrusion“ Einzelner in den Kollektivkörper ausgehandelt. Einzelne „Körper“ werden zur Bedrohung der kulturellen Reinheit der Gemeinschaft stilisiert (Migranten vor allem aus dem islamischen Kulturkreis), andere (illegale Saisonarbeiter und Prostituierte) überqueren die Membrane des
Kontinents gerade um ihre körperlichen Dienstleistungen im Verborgenen anzubieten.

ZENTRALE FRAGEN
EUROZENTRIKA will die Diskussion um die kulturellen und politischen Grenzziehungen Europas mit dem aktuellen Diskurs der Gender Studies verknüpfen und das Körperverständnis und die Identitätskonstruktionen der Gemeinschaft „Europa“ einer geschlechterpolitischen Analyse unterziehen.

Ziel ist es, das ambivalente Konzept “Europa” zu untersuchen, das ebenso aus der Idee einer “Festung Europa” besteht, die mittels verschiedener Strategien des Othering als Raum der Freiheit, der Sicherheit und des Rechts (Benedikt 2004) propagiert wird, wie aus einem wahrhaft utopischen “Europa”, das als offener Raum begriffen werden kann, innerhalb dessen die Grenzen der Nationalstaaten sich auflösen und ein übergeordnetes Kollektiv, einen gemeinsamen Körper bilden.

Was erfolgt aus diesem Wechselverhältnis von Inklusion und Exklusion für das Körperverständnis des Einzelnen wie des Kollektivs? Lassen sich kollektive Identitätsmodelle geografisch verorten, und wie haften sie dem Körper an? Welcher Raum bleibt den Grenzgängern zwischen den Konstrukten und Zuschreibungen von Geschlechterrollen und Nationalzugehörigkeit?

EUROZENTRIKA verknüpft Kunst, politische Theorie, Kunstgeschichte und die sozialen Realitäten des Alltagslebens in Europa. Künstler_innen und Theoretiker_innen sind dazu eingeladen, Ideen zu ihrem Identitätskonzept und verwandten Themen vor dem Hintergrund eines immer größer werdenden Europa auszutauschen. Wir arbeiten daran, Räume für Begegnungen, Netzwerke, neue Ideen, fruchtbare Diskussionen und künstlerische und akademische Kollaborationen zu schaffen.

Das Fundament der Gruppe EUROZENTRIKA basiert auf der Überzeugung, dass “Europa” nur durch zwischenmenschliche Verbindungen innerhalb der Mitgliedsländer und über diese hinaus zum Leben erweckt werden kann. Ein humanistisches, inklusives Europa muss erst noch erfunden werden.

EUROZENTRIKA ist ein Spielfeld, auf dem jeder Gedanke erneut gedacht werden und jede Tatsache in Frage gestellt werden kann.

EUROZENTRIKA is interested in exploring different concepts and conceptions of European Identity. The initiative was triggered by questions of how the EU expansion affects the old, new or future citizens sense of personal, national and gender identity.

EUROZENTRIKA is interested in igniting discussions around questions like: What could the Utopia of a future Europe look like? Which hopes and anxieties cling to the EU membership? How can questions about inclusion and exclusion be negotiated on the level of global citizenship? How has identity models changed with regard to living conditions and role behaviour? What impact do the changes have on self-perception and working modes? Which roles does gender play in the perspective of artistic work and institutional acclaim? How does the Western art market influence strategies, aesthetics and production of Eastern European artists and vice versa? In comparison to the feminist avant garde of the 70ies how are problematics of gender identity negotiated in contemporary artistic praxis?

Contemporary art offers society a Carrol'esq mirrors reflection of its political developments; through subjective positionings that reflect individual living conditions and interpretations of history the artists render the theory of a European Union tangible.

EUROZENTRIKA connects applied art, political theory, art history and the social reality of every day life in Europe. Artists and theorists are invited to exchange ideas about their concept of Identity and conterminous subjects in the back drop of an expanding Europe. We work to create a space for encounters, networking, new ideas, prolific discussions and artistic and academic collaborations.

The project is based on the conviction that Europe can only come into life through interpersonal connections within and beyond its member states. A humanistic creative and inclusive Europe is one that has to be invented, applied and fought for.

EUROZENTRIKA is a playing field in which every thought can be thought again and every fact be questioned.